Album-Kritik: Lang lebe der Tod

Mein musikalisches Herz schlägt schon von Kindesbeinen an für Rock. Klar, wenn der eigene Vater jede Gelegenheit nutzt Bruce Springsteen* live zu sehen und jedes zweite T-Shirt im Schrank ein Konzert-T-Shirt ist.

Eigentlich also doch eher wenig verwunderlich, dass ich lange Zeit mit Green Day, Pink Floyd und Genesis mehr anfangen konnte als mit der Musik, die im Radio rauf und runter lief.

Aber seit ein paar Jahren hat sich da etwas verschoben. Angefangen hat es glaube ich mit Eminems Comeback mit dem Album Relapse. Das war das erste reine Rap-Album, das ich mir mehr als nur beiläufig angehört habe. Mit Caspers erstem Nr. 1-Album XOXO war es dann um mich geschehen.

Jetzt hat Benjamin Griffey alias Casper ein neues Album rausgebracht und ich merke, wie der Unterschied zwischen Rock und Rap kleiner geworden ist. Das erste Album Hin zur Sonne war noch Straßen-Rap. Es gab Features mit Prinz Pi und Kollegah. XOXO war sehr poppig und mainstreamtauglich. Am Ende hat mich aber ein Feature mit Thees Uhlmann von der Indie-Rock-Band Tomte überhaupt erst auf das Album aufmerksam gemacht.

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Links Lang lebe der Tod von Casper und rechts das neue Album Yours von den Beatsteaks

Zuletzt Hinterland war von keinem geringeren als dem Boss aus New Jersey selbst inspiriert und jetzt Lang lebe der Tod. Manche würden es als Krach bezeichnen. Einstürzende Neubauten, eine 80er Jahre-Band, deren Genre bei Wikipedia als Post-Industrial bezeichnet wird, war Griffeys stetiger Begleiter bei Fertigung des Albums. Viele sind enttäuscht, hatten sich nach der langen Wartezeit mehr erwartet. 10 Tracks sind nicht viel, aber diese 10 sind vollkommen.

Der titelgebende Song Lang lebe der Tod ist voller Todessehnsucht, gewaltig instrumentalisiert und ein würdiger Einstieg. Es wird klar, dass das Album nichts mehr mit Hinterland und einer einer amerikanischen Kleinstadt-Welt zu tun hat.

Alles ist erleuchtet ist nicht so positiv wie es klingt. Gesellschaftskritik und die Kunst, Helligkeit als etwas Negatives darzustellen, machen den Track zu einem der besten des Albums.

Mit Keine Angst fühlt man sich ins Jahr 2011 zurückversetzt, das Lied würde auch gut auf XOXO passen. Trotzdem macht das Feature mit Drangsal unfassbar viel Spaß zu hören und irgendwie passt der Track trotzdem auch wie Arsch auf Eimer auf genau dieses Album.

Direkt danach kommt Sirenen. Ein Song, bei dem man den Industrial-Einfluss das erste Mal nach Lang lebe der Tod wieder spürt. Für mich der mit Abstand beste Song.

Lass sie gehen hat nichts mit irgendeiner verflossenen Liebe zu tun, vielmehr ist es eine Klage über die Welt, in der er dank seiner Bekanntheit lebt. Hat er auf Hinterland mit Jambalaya noch seinen Erfolg gefeiert, ist er jetzt genervt von den Journalisten, die ihn nicht in Ruhe lassen und von Leuten, die seine Privatsphäre nicht akzeptieren. Wie schon bei Keine Angst gibt es einen Feature-Partner für den Refrain, den Rapper Ahzumjot, der auch erst kürzlich eine neue Single rausgebracht hat.

Ungewohnt konkret politisch kommt Morgellon daher. Ein Song über Filterblasen, Fake-News, Das-Wird-Man-Ja-Wohl-Noch-Sagen-Dürfen und Verschwörungstheorien, der so aktuell ist, dass es wehtut. Da fällt dann auch fast gar nicht mehr auf, dass der Flow nicht gut ist und die Reime teilweise sehr gebrochen sind. Die Message ist cool, in Sternen würde ich 3 von 5 geben, einfach weil er musikalisch gegenüber den anderen nicht so stark daherkommt.

Wo die wilden Maden graben hat diese Wir-Komponente, die Casper gerne in seine Songs einbringt, inne. Instrumentiert wie ein wirklicher Rock-Song, richtet er sich wieder einmal an die junge Generation, die durch dauerhafte Erreichbarkeit ihr Leben verliert und in der Massentauglichkeit das wichtigste auf der Welt ist.

Deborah klingt wie eine Beschreibung von Depressionen. Sie hatte schon jeden in der Stadt und sie lässt ihn auch nach zwei Jahren nicht los. Man merkt, dass depressive Phasen über Casper herüber gerollt sind.

Seine Bekanntheit ist ihm nicht mehr geheuer, er steht nicht mehr gern im Rampenlicht. Meine Kündigung greift wieder den Tod auf. Er möchte nach dem Tod keine Denkmäler von sich, will endlich seine Ruhe haben.

Der Schlusstrack Flackern, flimmern ist ein würdiger Abschluss, ein Hoffnungsschimmer in der sonst sehr düsteren Stimmung des Albums, eine Liebeserklärung an jemanden, der ihn zu retten scheint. Ob es seine Frau ist, bleibt offen. Das Album endet mit einem Schlagzeugsolo und dem Refrain von Flackern, Flimmern. Mir läuft immer ein Schauer über den Rücken, wenn ich das Ende höre, weil es einerseits ein Licht am Ende des Tunnels bedeuten kann, andererseits aber auch der Tod selbst das Ende sein könnte.

Die Songs sind rockig, man hört Gitarren und Bässe. Während die Rapwelt noch versucht Hinterland zu kopieren, ist Benjamin Griffey schon in einer ganz eigenen Welt und erfindet sich wieder einmal komplett neu. Meine beiden Musikherzen, das für Rap und das für Rock, pochen im Gleichtakt zu der Musik.

Insgesamt ist das Album kurz, dafür passt aber jeder einzelne Song perfekt rein. Die LP bekommt man für 21,99€ mit CD statt Download zum Beispiel auf Amazon.

Fazit: ***** weil der Preis für zehn Songs wirklich happig ist und zehn Songs generell sehr wenig sind und auch ich mir nach einem Jahr Verspätung mehr Songs erhofft habe. Die Songs selbst entschädigen aber für einiges und die Feature-Partner ebenfalls.

*Durch Klicken auf die Links wirst du zu Spotify weitergeleitet, wo du dir die Künstler und Alben kostenlos anhören kannst.

 

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Heimaturlaub 2017

Wer mich persönlich kennt, weiß es höchstwahrscheinlich, wer nicht, erfährt es jetzt. Ich komme aus einem kleinen Dorf im Herzen des Sauerlandes in Südwestfalen.

Für’s Studium bin ich nach Düsseldorf gezogen und habe recht selten mehr als ein Wochenende bei meinen Eltern verbracht seither. Jetzt war es aber so weit. Meine Eltern wollten in den Urlaub fahren, haben keinen gefunden, der auf den Hund aufpassen konnte und wie ich dann so bin, daran denkend, dass sie mir das Studium bezahlen und die Wohnung, habe ich gesagt, dass ich das mache und zwei Wochen lang auf das Haus und auf den Hund aufpasse.

Ich habe mir alle Sachen für meine Bachelor-Arbeit mitgenommen, um ein bisschen schreiben zu können, und damit mir nicht ganz so langweilig wird.

In der ersten Woche, wo das Wetter noch ganz gut war, hab ich oft draußen gesessen und geschrieben, in der zweiten habe ich das alles drinnen erledigt. Zwischendurch hab ich meine Cousine besucht, mein Freund hat mich besucht und ich war auf eine Geburtstagsparty einer Freundin aus der Schule damals eingeladen.

Das klingt jetzt alles nicht so spektakulär, ist es auch nicht. Ich hab diese zwei Wochen genutzt, um runterzukommen, das Sauerland nochmal zu genießen, bevor es dann im Oktober endlich nach Berlin geht und ungestört meine Thesis schreiben zu können. Natürlich bin ich trotzdem nicht so weit gekommen, wie ich es mir vorgenommen hatte.

Nachdem direkt zu Anfang meine Speicherkarte der Kamera kaputtgegangen ist (R.I.P.), habe ich mir dann am Freitag endlich eine neue gekauft und gestern Abend und heute Morgen bin ich mit der Kamera und dem Hund losgezogen, um ein paar Eindrücke zu sammeln und euch, die 1000e, die meinen Blog lesen 😉 das Sauerland und die Landschaft etwas näher zu zeigen.

Ich lasse die Bilder einfach mal für sich sprechen.

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Städtereise hoch 8 – Wien

Hallo ihr Lieben,

der Anfang unseres Urlaubs ist schon über einen Monat her und bevor die Erinnerungen ganz verloren gehen, gibt es heute den vorerst letzten Teil meines Reiseberichts in chronologischer Reihenfolge. Hier kommt ihr zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Reihe!

Von Belgrad ging es erstmal wieder zurück nach Budapest, in einem Nachtzug, der gar keiner war, weil es Betten oder Liegen nur für die erste Klasse gab, für alle anderen gab es stinknormale Sitze und da der Zug fast komplett voll war, gab es auch nicht die Möglichkeit, sich mal richtig auszustrecken.

Nach einer unruhigen Nacht kamen wir dann in Budapest an (mit nur einer Stunde Verspätung – oh Wunder!) und stiegen in den Zug, der uns in zwei Stunden von Budapest nach Wien brachte.

In Wien waren wir als erstes wieder froh, alles lesen zu können, die Leute – zumindest halbwegs – verstehen zu können und auch wieder mit Euro bezahlen zu können. Das ganze Umrechnen und dauernd neues Geld haben mit Münzen, die teilweise genau gleich aussehen, war zwar eine coole Erfahrung, aber der Euro ist mir da doch deutlich lieber.

In Wien hatten wir ein Airbnb direkt an einer Einkaufsstraße gelegen, das wir dann auch sofort fanden und bezogen. Der Extra-Reiseführer, den wir uns für Wien gekauft hatten, wurde zu allererst rausgeholt und nach ein bisschen Überlegen entschieden wir uns dafür, erstmal auf den Naschmarkt zu gehen und uns nach Souvenirs für unsere Eltern umzuschauen.

Einfach nur aus Trotz, weil wir unsere langen Jeans nicht umsonst mitgenommen haben wollten, trugen wir bei den – für unsere Reise doch recht kühlen – 25 Grad lange Jeans und nahmen uns Pullis mit. Nachdem wir einige Souvenirs und Mitbringsel erstanden hatten, machten wir uns auf den Weg Richtung Prater und weiter, um – wie sollte es anders sein – Fußball zu schauen. Austria Wien spielte gegen den Linzer ASK. Auch hier gab es Souvenirs für die männliche Fraktion.

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Leute, ihr wisst, dass ich Fußball liebe. Ich weiß nicht, wer von euch diese Liebe teilt, aber kennt ihr noch Heiko Westermann, ehemals HSV-Spieler und jetzt seit dieser Saison Teil der Veilchen? Oh mein Gott. Wir dachten eigentlich, dass wir keinen einzigen kennen, immerhin ist Austria solider 9. von 10 in der österreichischen Liga, aber auf einmal steht da diese Legende im Spielheftchen. Unfassbar. Definitiv ein Highlight.

Nach dem Spiel machten wir uns auf den Weg zum bekanntesten Schnitzelrestaurant in Wien, Figlmüller. Und was soll ich sagen? Ich schwebe immer noch im siebten Schnitzelhimmel, wenn ich daran denke. Es war einfach so lecker und definitiv seinen Preis wert.

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Am nächsten Morgen ging es mit Touristen-Essen weiter. Meine Mitbewohnerin hatte mir, die keine Ahnung von Wien hatte, empfohlen Sacher-Torte zu essen, und wo kann man das besser als im Café Sacher? Mensch, war das lecker. Die totale Kalorien- und Zuckerbombe aber ein richtiger Gaumenschmaus (auch wenn es mir nachher kurz nicht so gut ging. In Kombination mit heißer Schokolade mit Sahne war das vielleicht doch ein bisschen zu viel Zucker auf nüchternen Magen).

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Danach ging es dann in Richtung Hofburg, wo wir die kaiserliche Silberkammer bestaunen durften und mehr über den Mythos Sissi erfuhren. Alles war sehr pompös und sah teuer und edel aus, insgesamt ein sehr interessantes Museum. Eins der ausgestellten Silbergedecke mit wasweißichwievielen Teilen wurde einfach nie benutzt.

Die beiden jüdischen Museen lasse ich einfach mal raus, da sie mich beide nicht vom Hocker gehauen haben, abgesehen von dem Museumsshop, wo ich zwei Bücher erstehen konnte.

Abends waren Alex und ich zum Abschluss unserer Reise dann endlich richtig im Prater, sind Riesenrad gefahren und Achterbahn und haben den Urlaub meiner Meinung nach gut ausklingen lassen.

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Wien ist auf jeden Fall eine Stadt, die ich sicherlich nochmal besuchen werde, da wir vieles nur oberflächlich sehen konnten und noch mehr Sachen gar nicht bei unserer begrenzten Zeit.

Wie sieht es bei euch aus?

  • Wart ihr schonmal in Wien?
  • Würdet ihr wieder hin?
  • Was hätten wir uns noch unbedingt ansehen sollen?

Liebe Grüße,

Joanna

Städtereise hoch 8 – Teil 3

Heute will euch euch von den drei Städten berichten, über die sowohl Alex, als auch meine Wenigkeit vorher kaum etwas wussten: Bukarest, Sofia und Belgrad. Diese drei Städte sind nicht gerade die bekanntesten Reiseziele und besonders Sofia und Bukarest werden häufig als Stopp für eine Zwischenübernachtung genutzt, bevor es nach Varna oder Constanta ans Meer geht.

Unser erstes Ziel war Bukarest, wohin uns die Fahrt 16 Stunden gekostet hat von Budapest aus. 16 Stunden in einem Schlafwagen sind gut auszuhalten, wirklich entspannend war es aber auch nicht wirklich. Aber immerhin hatten wir eine Klimaanlage im Abteil und der Zug war viel leiser als der von Krakau nach Budapest.

In Bukarest angekommen, war es erstmal ein Schock zu sehen, dass man einfach 30 Minuten für vier Auto-Kilometer mit der Bahn braucht, um vom Nord-Bahnhof in die Innenstadt zu kommen, aber die Metro fährt einfach einen unnötigen Schlenker und braucht deshalb einfach mindestens doppelt so lange.

Unsere Unterkunft war ein modernes Apartment direkt am Eingang zur Altstadt, nach hinten raus gelegen und deshalb auch schön ruhig. Abends haben wir was landestypisches gegessen und sind noch in Richtung des hell erleuchteten Parlamentspalast gegangen, der auch bei Nacht riesig aussieht und absolut imposant wirkt.

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Am nächsten Morgen war dann der Parlamentspalast von innen auf der Tagesordnung. Aufgrund des Desasters in Budapest, waren wir auch schon wirklich früh da, aber es scheint mehr Besucher-Kapazitäten zu geben als in Budapest, nach uns kamen immer mehr Leute und es waren viele Gruppen gleichzeitig unterwegs.

Der Eindruck von innen hat den von außen noch bei weitem übertroffen. Überall Marmor, teures Holz aus Afrika mit filigranen Verzierungen und Kronleuchter, die eigene Schaltzentralen brauchen. In den anderthalb Stunden haben wir ca. 5% der nutzbaren Fläche sehen können, also nur einen kleinen Bruchteil.

Dieses Gebäude hat mich einfach nur geflasht und auch wenn Bukarest sonst nicht die schönste Stadt ist, hat sie einen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Nach Sofia ging es mit dem Tagzug, was hieß, dass wir erst abends angekommen sind, viel zu spät um noch etwas zu machen, weshalb ich nur den einen Tag dort zählen kann. Morgens sind wir in die Alexander-Newski-Gedächtniskirche mit anschließendem Besuch im Museum der Krypta gegangen. Im Museum gab es viele Ikonographien zu bestaunen und auch an der Kirche selbst hat man gemerkt, dass hier die russisch-orthodoxe Kirche zuhause ist. Ein Gotteshaus mit goldenem Dach sieht man ja hierzulande eher selten.

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Sofia hatte für uns im Nachhinein eher den Charakter eines Ruhetages, weil wir nicht so viel gemacht haben und uns nicht viel angesehen haben, aber bei 15 Tagen Kultur und Stadt durchgehend, musste das auch mal sein. Am meisten ist mir leider das Essen in Erinnerung geblieben, das in unserem Reiseführer empfohlen wurde. Von den großzügigen Portionen wurde nicht einmal ich richtig satt und das Personal hat uns über eine halbe Stunde einfach so sitzen gelassen, ohne dass die Teller abgeräumt wurden oder ähnliches. Daumen runter dafür!

Über die Fahrt nach Belgrad könnte ich mich immer noch furchtbar aufregen, aber über die Zugfahrten allgemein, wird es noch einen speziellen Blogpost geben, daher schweige ich mal zu dem Thema. In Belgrad stand dann der Besuch des – von Alex sehnsüchtig erwarteten – Tesla-Museums auf der Liste der Must-Sees und so sind wir mal wieder durch die Mittagshitze dorthin gegangen. Das Museum war ziemlich cool, Teslas Erfindungen und Entdeckungen wurden vorgestellt und anhand von Experimenten erklärt. 500.000 Volt, die einfach mal durch deinen Körper fließen, wtf?

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Nachmittags waren wir dann auf einem Berg in einer Zitadelle, die einige Museen beherbergt und einen Park mit einigen schönen Aussichtspunkten. Hier ist auch das Beitragsbild entstanden und wieder ist der Himmel absolut wolkenlos und man schwitzt so sehr, dass man trotz übermäßigen Wasserkonsums kaum aufs Klo muss.

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Naja, alles zu berichten würde den Rahmen deutlich sprengen, aber ich hoffe doch, dass ich euch einen Eindruck von den drei Städten vermitteln konnte.

Hier kommt ihr zu Teil 1 und Teil 2 der Reihe. Falls ihr die Artikel noch nicht gelesen habt, feel free!

Danke für’s Lesen,

Joanna

PS: Sorry, für die schlechte Bildqualität, teilweise sind das nur Handybilder.

Städtereise hoch 8 – Budapest

Oh ja, ihr lest richtig. Schon wieder ein neuer Post von mir. Was geht? Wird das hier jetzt tatsächlich regelmäßig? Versprechen kann ich noch nichts, aber ein paar ziemlich große Lasten sind in den letzten Tagen von mir abgefallen und jetzt habe ich wieder einen freieren Kopf und kann mich kreativer wieder etwas austoben.

Falls ihr den ersten Post noch nicht gesehen habt, hier ist er nochmal verlinkt. Nachdem ich also schon über Warschau und Krakau erzählt habe, kommt jetzt mein Bericht über die dritte Station Budapest.

Von Krakau aus sind wir das erste Mal mit dem Nachtzug in eine andere Stadt gefahren, aufregend! Nachtzüge gibt es ja bei der deutschen Bahn gar nicht mehr, deshalb war das eine ganz neue Erfahrung für uns. Die Reservierung hatten wir schon im Vorhinein erledigt, weil wir nicht stundenlang anstehen wollten, um dann in ein achter Compartment zu kommen oder sowas.

Wir hatten ein Zweier-Abteil, was ziemlich bonzig war, aber wir hatten uns bewusst dazu entschieden. Leider war die Nacht nicht besonders angenehm, weil es entweder zu warm war oder zu laut, je nachdem ob das Fenster offen oder geschlossen war.

Naja, jedenfalls sind wir dann morgens in Budapest angekommen, mussten ein bisschen Zeit totschlagen, weil unser Airbnb erst ab 10 Uhr frei war. Auch dieses Apartment war nah am Bahnhof gelegen und absolut ausreichend für die eine Nacht, die wir in Budapest verbringen wollten.

Am ersten Tag sind wir mit den Öffis nach Buda gefahren und sind, wie sich das für gute Touristen gehört, mit der Standseilbahn nach oben auf den Berg gefahren, auf dem das Schloss, die Fischerbastion und die Matthias-Kirche stehen. Die Aussicht ist wirklich unglaublich schön, so über die Donau rüber nach Pest, Blick auf den Parlamentspalast und die ganze Stadt, das hat definitiv was.

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Eine Fahrt mit der Standseilbahn ist für Touristen ein Muss. Die billigere Alternative sind Busse oder eben zu Fuß.

Das Schloss beherbergt heute die ungarische Nationalgalerie mit Kunstwerken aus dem Mittelalter, der Renaissance, dem Barock… Eigentlich allen Zeitaltern bis heute. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall für die Bilder, die teilweise alleine ganze Wände ausfüllen und viel über die ungarische Geschichte verraten. Wir haben fast den ganzen Nachmittag dort verbracht und bereuen keine Sekunde.

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Auch für Leute (wie mich), die mit Kunst nicht so viel anfangen können, ist die Galerie interessant und spannend.

Rund um die Burg ist das Burgviertel mit der Matthiaskirche, deren Dach aussieht wie ein Mosaik und der alten Fischerbastion. Überall tummeln sich Touristen aus aller Herren Länder, aber überfüllt war es nur an wenigen Stellen.

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Abends waren wir in einem netten Restaurant mit tollem Essen und nettem Personal essen, für meinen Freund gab es traditionell ungarischen Pörkölt, eine Art Gulasch und für mich Paprika-Hähnchen und eine richtig leckere hausgemachte Limonade.

Falls ihr mal in Budapest seid und nach einem Restaurant sucht, kann ich euch „Puli“ nur empfehlen.

Am nächsten Tag haben wir uns in Pest aufgehalten, erstmal die Stefans-Basilika angeschaut und den Turm hochgekraxelt. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Donau, das Parlamentsgebäude und auf Buda. Und es ist nicht ganz so warm.

In der Mittagshitze war es dann wirklich nahezu unerträglich. Wir waren immer nur auf der Suche nach Wasser und Schatten und dann wurden unsere Pläne noch durchkreuzt. Wir durften nicht in den Parlamentspalast, weil alle Karten für den Tag schon ausverkauft waren. Was für ein Mist. Stattdessen sind wir dann auf die Margareten-Insel gefahren und haben in einem Park gesessen und an einem Springbrunnen, an dem die Wasserfontänen zu Liedern getanzt haben, die abgespielt wurden. Das war echt cool und genau das richtige bei 38 Grad.

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Abends sind wir dann die ganze Andrássy utca entlang gelaufen bis zum Heldenplatz, auf dem wir einen großen Budapest-Schriftzug erwarteten, der aber nicht vorhanden war. Vielleicht hatte ich nur geträumt, dass es den gibt.

Den Rest unserer Zeit haben wir dann am Bahnhof totgeschlagen, weil wir fertig waren von dem Wetter und unsere längste Zugfahrt vor uns lag mit 16 Stunden, Gott sei Dank wieder im Schlafwagen, aber trotzdem ein ganz schönes Eckchen.

Wie sieht es bei euch aus?

  • Wart ihr schonmal in Budapest?
  • Hätten wir uns noch irgendwas unbedingt ansehen sollen
  • Was war bisher eure coolste Städtereise?

Liebe Grüße,

Joanna

Städtereise hoch 8 – Teil 1

Das hier wird der erste Post in einer ganzen Reihe, die jetzt so nach und nach kommt. Dieses Jahr hatte ich nämlich das große Glück mit meinem Freund eine Interrail-Tour machen zu können. Wer mir auf Instagram folgt, der hat vielleicht schon den ein oder anderen Post gesehen. Mindestens zu Krakau, Budapest und Wien werden hier noch spezielle Artikel folgen, vielleicht auch zu mehr, mal sehen wie viel Zeit ich habe.

Die Tour hat in Dortmund angefangen, von da aus sind wir morgens früh an einem Montag nach Berlin gefahren, haben einen schönen Vormittag am Spreeufer verbracht und sind dann mit dem Berlin-Warschau-„Express“ in die polnische Hauptstadt gefahren.

Das Express steht in Anführungsstrichen, weil Express für mich heißt, dass man in vier Stunden von Dortmund nach Berlin kommt und nicht, dass man acht statt geplanten sechs Stunden von Berlin nach Warschau braucht. Dass die Klimaanlage in unserem Wagen ausgefallen ist, hat die Fahrt bei über 30 Grad durch die pralle Mittagshitze nicht wirklich angenehmer gemacht.

Mich hat die Zugfahrt ziemlich fertig gemacht, der ganze Tag, die ungewohnte Hitze, sind mir ziemlich auf den Magen geschlagen, sodass ich unseren einen Tag, den wir in Warschau hatten, gar nicht so richtig genießen konnte.

Mit vielen Besuchen an Wasserspielen haben wir uns aber ein bisschen Abkühlung verschafft und das beste aus dem Tag gemacht.

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Die Warschauer Museen hatten fast alle zu, möglicherweise weil der 1. August ein Gedenktag an den Warschauer Aufstand ist, aber nach der Enttäuschung, nicht in den riesigen Kultur- und Wissenschaftspalast zu kommen, haben wir uns entschieden, zum Kopernikus-Zentrum zu fahren.

Da haben wir geschlagene zwei Stunden gewartet, bis wir in das interaktive Museum durften, aber es hat sich gelohnt. Ich weiß gar nicht, womit man es vergleichen kann, am ehesten würde mir das Odysseum in Köln einfallen, aber das in Warschau war viel viel größer.

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Es ging warm weiter, weil wir immer weiter gen Süden gefahren sind. Unsere zweite Station war dann Krakau, die Hauptstadt des ehemaligen Königreiches Polen.

Wir hatten ein Airbnb direkt in der Nähe des Hauptbahnhofes Krakow Glowny gebucht, damit wir unsere Sachen nicht so weit schleppen mussten, und sind direkt in die Altstadt gegangen. Es war ein bisschen wie der Eintritt in die Winkelgasse, um die Altstadt herum wurde ein großes Parkareal angelegt, wo die Leute durchschlendern und sich entspannen, sobald man durch das Tor ging, waren überall Geschäfte und Menschen, die Promotion für Clubs oder Bars machten. Und es waren unglaublich viele Touristen da.

Im Herzen der Altstadt Krakaus liegt der Rynek Glowny, der Hauptmarkt, einer der größten Plätze in Europa. Nach dem Shoppen und Sightseeing tummeln sich hier alle Touristen in Restaurants und Cafés.

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Die Marienkirche ist so ziemlich das Wahrzeichen von Krakau. Zu jeder vollen Stunde spielt ein Trompeter den „Hejnal“, eine Triumph-Melodie in alle vier Himmelsrichtungen von dem linken Turm aus und winkt zu den Leuten runter.

Am zweiten Tag in Krakau sind wir durch die Mittagshitze gelaufen, um zur Emaille-Fabrik von Oskar Schindler zu kommen, dem Mann, der viele Juden vor dem sicheren Tod bewahrt hat und dabei sich selbst auch gefährdet hat. Die Fabrik ist heute ein Museum zum Gedenken an den Holocaust. Es ist interessant, aber es war viel zu voll und zu eng. Rollstuhlgerecht war das Museum auch nicht wirklich.

Wie sieht es bei euch aus?

  • Mögt ihr Städtereisen?
  • Wart ihr schonmal in Warschau oder Krakau?
  • Geht ihr gerne in Museen?

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Bis dann,

Joanna

 

Die Geflüchteten-Situation in Griechenland & wie ein Fotovortrag viele Eindrücke bei mir hinterlassen hat:

Hallo ihr lieben, ich bin Hannah und werde auf diesem Blog hin und wieder ein Paar meiner Eindrücke, Erlebnisse und Gedanken beisteuern. Nun mein erster Beitrag 🙂

Und es geht auch schon direkt los mit einem super politischen Thema, das am Ende doch eine persönlichere und emotionalere Nachwirkung auf mich hatte als gedacht: die aktuelle Geflüchteten-Situation in Griechenland.

Sich jetzt noch viele Gedanken über die Lage in Griechenland zu machen, wird einem durch die Medien ja nicht gerade suggeriert. Mein oberflächliches Bild war zunächst noch: Naja das größte Geflüchteten-Lager in Idomeni wurde vor ca. einem Jahr geräumt und die Balkan Route gesperrt, dann hat man bis jetzt sicher irgend einen Weg gefunden die dort gestrandeten Personen unterzubringen. Schade nur, dass das nicht ganz wahr ist.

Durch die Amnesty Uni Gruppe in der ich bin, kam ich in Kontakt mit David Lohmüller. Ein sehr freundlicher Fotograf, der als freiwilliger Helfer schon seit 2016 regelmäßig nach Griechenland reist und danach in Deutschland über seine Erlebnisse aus erster Hand berichtet.
Weil wir uns in der Gruppe alle sehr dafür interessieren, was (unbeachtet von den meisten Medien) jetzt noch so in Griechenland los ist, haben wir David kurzerhand an unsere Uni eingeladen.

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Vor knapp einer Woche war es dann so weit und David hat einen eigentlich sehr einfach erzählten Fotovortrag über seine Zeit und das Miterleben der Situation vieler Geflüchteter gehalten. Vielleicht war gerade das gut daran, da die Erzählung eines Freundes manchmal mehr abbildet als Zahlen und Fakten die wir jeden Tag beiläufig in den Nachrichten hören.
Dieser Vortrag und die Bilder die David gemacht hat haben auf jeden Fall meine Gedanken für eine kurze Zeit völlig vom Alltags Quatsch unter dem Motto: “Was mach ich dieses Wochenende ? Wo ist die nächste Party? Oder: Ich muss ja noch so viel für die Uni tun.. “ weggeholt.
FIRST WORLD PROBLEMS !!
Für mich ist es sehr wichtig (immerhin zwischendurch) so einen Schock, analog zum Effekt einer Medizin, verabreicht zu bekommen, um wieder mitzukriegen was eigentlich los ist. Dann wird mir wieder bewusst, dass die Welt nicht an der Grenze Deutschlands endet. Und ich finde, dass ich meine sehr bequeme Lebenslage mehr wertschätzen muss. Ebenso wie ich mich mehr gegen schlimmere Missstände als meine noch nicht abgegebene Hausarbeit einsetzen möchte.

Nun einmal ein paar Infos für euch die bei mir einen starken Nachhall hinterlassen haben:
Über 50.000 Flüchtlinge sitzen zur Zeit noch in Griechenland fest. Dort können sie sich kaum wohlfühlen oder niederlassen, da die Unterbringung, Versorgung etc. auch nach einem Jahr Aufenthalt noch nicht wirklich gut geregelt ist (z.B. Minusgrade und gefrorenes Wasser im Winter). Daneben sind die Lager nicht für genug Menschen zugänglich, viele leben in Zelten oder alten Ruinen. Gleichzeitig können die Menschen nicht weiter reisen, weil die Grenzen dicht sind (und wenn, dann tun sie es mit Hilfe von Schleppern, wobei in vielen Fällen die Leute gefasst und brutal zurückgeschoben werden oder einfach so auf dem gefährlichen Weg umkommen).
Am schlimmsten wirkte auf mich die Ungewissheit der Menschen, wie es nun weitergehen soll und die Tatsache, dass die meisten Menschen auf der Flucht vor den schlimmen Umständen in ihrer Heimat nun wieder in einer ebenso traurigen Situation zwischen Not und Hoffnung gefangen bleiben. Und dies soll nur ein kurzer Einblick von dem sein was David uns noch viel eindringlicher und genauer geschildert hat.

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Und weil ich persönlich daran arbeiten will, neben guten Vorsätzen auch tatsächlich meine Einflussmöglichkeiten zu nutzen, habe ich ein paar konkrete Hilfsmöglichkeiten aufgeschrieben:

1. Es gibt die Möglichkeit für verschiedene tolle Projekte von David zu spenden:

(da ich David durch die Zusammenarbeit persönlich kennenlernen durfte bin ich auch froh zu wissen das jeder Euro tatsächlich ankommt wo er gebraucht wird)

• AKUT! Wir helfen obdachlosen Menschen mit Grundversorgung.
• Wir verteilen Kleidung und Schuhe in Flüchtlingslagern.
• Wir bauen Schulprojekte auf.
• Wir verteilen Bananen an geflüchtete Kinder.
• Wir verteilen Solarlampen an Menschen ohne Licht.
• Wir organisieren Spendenkonvois.

Auf Anfrage können wir die Angaben zum Spendenkonto an euch weiterleiten 🙂

2. Ich überlege mir gerade selbst in den Semesterferien (oder wenn es geht schon vorher) mit nach Griechenland zu fliegen, da im Moment viele freiwillige Helfer fehlen!
Falls euch das interessiert stelle ich gerne den Kontakt zu David her.

3. Nicht vergessen was passiert. .. die im Alltag wohl wichtigste Challenge für mich. Sich zwischendurch immer wieder zu informieren, weiterzuerzählen was passiert und zu gucken, wo noch Hilfe gebraucht wird.

Das sind zur Zeit so meine Gedanken zum Thema Deutschland, Europa und die Welt. Und darüber wie gut es mir geht.

Eure Hannah

(Bilder: David Lohmüller)

Wen es so interessiert wie mich der hat hier nochmal ein paar weitere Infos:

Website: davidlohmueller.com/blog/

Facebook: https://www.facebook.com/DLohmueller/?fref=ts

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