Serientipp: Fauda

Fauda ist eine Netflix-Produktion, die anders ist als die meisten. Fauda ist ein israelisches Format, das nicht die gängigen Klischees von Gut und Böse bedient, sondern mit spannenden und ambivalenten Charakteren daherkommt. Aber von vorn:

Fauda ist das arabische Wort für Chaos. Was? Arabisch? Ja, die Serie ist zwar israelisch, aber den Großteil der Zeit wird Arabisch gesprochen. Ich kann übrigens die Originalfassung mit Untertiteln (für die, die weder des hebräischen, noch des arabischen ausreichend mächtig sind) nur empfehlen. Man hört die Gefühle der Personen besser raus und der Gegensatz zwischen dem staccato-Hebräisch und dem fließenderen Arabisch, ist deutlich zu hören.

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Worum geht es denn jetzt genau? Israel ist vor allem für den Nahost-Konflikt bekannt, für den Konflikt zwischen Juden und Muslimen, Palästinensern und Israelis, der Hamas und der IDF.

Fauda ist nicht das, was ich mir unter einer israelischen Serie vorgestellt habe. Die Hauptfigur „Doron“ ist… nicht der sympathischste, als er bei einer Hochzeit im palästinensischen Ramallah den Bräutigam erschießt, hat man großes Mitleid mit der Familie, auch wenn man bereits vorher erfahren hat, worum es geht.

Der Bräutigam stammt aus der Familie des Terroristen „Abu Ahmad“, den Doron vermeintlich erschossen hat, doch dieser zweifelt daran, dass der „Panther“, wie Abu-Ahmad genannt wird, wirklich tot ist.

Doron hat vor Abu Ahmads Tod für eine Spezialtruppe zur Terrorbekämpfung gearbeitet, diese Beschäftigung aber an den Nagel gehängt. Doch, wie das bei solchen Leuten so ist, kann er nicht ganz loslassen und so kommt er wieder zu seiner alten Einheit.

Der Plot ist das Katz- und Maus-Spiel zwischen Abu Ahmad und Doron. Klingt nicht sonderlich spannend, ist es aber. Schon die ersten zehn Minuten der ersten Folge haben mich komplett in den Bann gezogen. Frauen gibt es in der Serie zwar recht wenige, doch spielt eine von ihnen, die Ärztin Shirin, eine entscheidende Rolle.

Das Ende der ersten Staffel kommt plötzlich und unerwartet, bis zum Schluss ist Spannung in der Handlung, obwohl der vermeintliche Höhepunkt schon stattgefunden hat.

Was die Serie ausmacht, ist dass die Hamas-Kämpfer nicht als Barbaren gezeigt werden, sondern als echte Menschen, mit Familien, Gefühlen und Charakter. Genauso werden die Israelis nicht als „die Guten“ dargestellt. In dem Kampf geht es nicht mehr um gut und böse, es geht um Rache und manchmal hat man das Gefühl, dass es nur ums Töten geht.

Intrigen, politische Wirrungen, Irrtümer und Familiendramen runden das ganze zu einer wunderbaren Action-Serie ab, die ihrem amerikanischen Vorbild „Homeland“ – das auf der israelischen Serie „Hatufim“ aufbaut – in keinster Weise nachsteht.

Die Serie ist fiktiv, das sollte nie vergessen werden, auch wenn sie auf realen Erfahrungen beruht.

Viel zu kritisieren hatte ich nicht, wenngleich mir die Frauenquote ein bisschen sehr niedrig war und bis auf besagte Shirin die Charaktere recht flach gezeichnet waren (insbesondere Gali, Dorons Frau, und Nurit, die einzige Frau in Dorons Einheit).

Die Serie umfasst bisher eine Staffel mit 13 Folgen, die zwischen 30 und 40 Minuten dauern.

Fazit

Ich bin froh, dass es eine zweite Staffel geben wird und werde die wahrscheinlich sofort durchsuchten, wenn sie dann endlich da ist. Besonders „Doron“ (Lior Raz) macht seine Sache sehr gut. Raz war selbst maßgeblich an der Entstehung der Serie beteiligt und greift zusammen mit Co-Autor Avi Issacharoff seine Erfahrungen aus der Zeit bei der IDF auf.

Man kann die Serie „mal eben zwischendurch“ gucken, dann ist es eine gute Action-Serie. Aber man kann sie auch auf einem höheren Level schauen und versuchen, eine Moral zu ziehen, eine Botschaft zu erkennen. Wie diese aussieht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich kann die Serie jedenfalls nur empfehlen! Bisher nur auf Netflix zu sehen, aber hoffentlich kommt die Serie bald mal auf ZDF_neo oder so!

Spaß:              –
Action:           ****
Spannung:    ****
Gefühle:        ***

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