Bücher rund um das für mich schönste Land der Welt – Teil 2

Der 9. November ist für die Deutschen ein Schicksalstag. 1918 wird die Republik an diesem Datum ausgerufen, 1923 findet der Hitlerputsch statt und 1938 dann die verheerende Pogromnacht, nach der auch den letzten Andersdenkenden klar war, dass es im Deutschen Reich keine Zukunft mehr für die Juden gab.

Doch man kennt so viele Geschichten über Menschen, die in der Shoah umgekommen sind, weshalb ich heute die Geschichte eines Mannes erzählen will, der frühzeitig die Flucht ergriffen hat und in seinen Memoiren unter anderem von seiner Kindheit in der österreichischen Hauptstadt, oder auch von seiner Flucht in ein unbekanntes Land, nach Eretz Jisrael, berichtet.

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Ari Rath, geboren in Wien, 1938 nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich nach Palästina geflohen, war ein Ausnahmejournalist. Mehr als 30 Jahre arbeitete er bei der renommierten Jerusalem Post und war bei manchem Treffen hochrangiger Politiker zugegen.

Ari heißt Löwe – das ist der Titel seiner Biographie, die in Zusammenarbeit mit Stefanie Oswalt zustande kam. Der Titel hat mich sofort neugierig gemacht und ohne auch nur den Klappentext zu lesen, habe ich mir das Buch gekauft.

Rath erzählt mit Charme, Witz und Ehrlichkeit über sein Leben, über seine Familie und Freunde und natürlich über seine Arbeit. Von der Staatsgründung Israels bis zur zweiten Intifada hat Rath jedes politische Ereignis mitbekommen und schildert, ganz untypisch für einen Journalisten, seine Sicht der Dinge und kommentiert sie.

Er spricht über seinen Werdegang, seine Zeit im Kibbuz, dann von Monaten in Amerika, um die zionistische Jugendbewegung zu fördern. Immer wieder verirren sich große Namen in den Text. Golda Meir oder Teddy Kollek sind berühmte Gestalten der israelischen Geschichte.

Das Buch punktet durch Ehrlichkeit, Weitblick und einen lockeren Erzählstil. Rath will kein großes Prosawerk verfassen, sondern nur seine Erinnerungen schildern.

Besonders nah gingen mir die Stellen, in denen er seine alte Heimat Wien besucht und damit konfrontiert wird, dass Antisemitismus und Faschismus aus der Politik längst nicht verschwunden sind und dass mehrere bekannte österreichische Politiker eine Nazi-Vergangenheit haben.

Sein Unverständnis und Unglauben darüber kommt mehr als echt rüber und wie so oft fragt man sich, wie so etwas sein kann.

Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Einerseits hat es mich inspiriert, meine Pläne weiter zu verfolgen und mich um Volontariate zu bewerben, andererseits sprühte Rath nur so vor Lebensfreude und Tatendrang, obwohl er alles in seiner Heimat zurücklassen musste, was ihm lieb und teuer war.

Es ist die Geschichte eines politisch interessierten Mannes, der sich nicht gescheut hat, auch gegen die eigene Regierung zu schreiben und der ein Journalist war, an dem sich viele ein Stück abschneiden könnten.

Handlung: 5/5

Charakter: 4/5

Spannung: 4/5

Spaß: 2/5

 

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