Buchvorstellung: „Der nasse Fisch“ – Volker Kutscher

[Rezension]

Auf vielen Blogs habe ich Kritiken zu DER deutschen Hoffnung am Serienhimmel gelesen. „Babylon Berlin“ ist ein Mammutprojekt, mit 40 Millionen Euro Budget und einer berühmt-berüchtigten Crew. Die Serie habe ich mittlerweile gesehen und finde sie nicht nur „für eine deutsche Produktion“ sehr gut. Ohne weiteres kann die Geschichte um den Kriminalkommissar Gereon Rath mit amerikanischen Serien, wie zum Beispiel „How to get away with murder“, mithalten.

Dieser Post soll sich aber nicht mit der audio-visuellen Umsetzung befassen, sondern mit dem Original, der Romanvorlage für Babylon Berlin „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher.

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Kutscher entführt den Leser in eine schillernde Welt, in der Berlin nicht minder spektakulär als New York wirkt, die „goldenen“ 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Gereon Rath, ein Kölner Kommissar des Morddezernats, der aufgrund persönlicher Fehlentscheidungen und -tritte in die Hauptstadt „fliehen“ musste, arbeitet bei der Sitte mit dem gutmütigen „Onkel“ Bruno Wolter zusammen und lässt einen Pornoring hochgehen.

Soweit die Einführung. Rath ist ehrgeizig und ambitioniert, die Sitte möchte er schnellstmöglich verlassen und wieder in Mordfällen ermitteln. Eines Abends steht ein Russe vor der Tür seiner Vermieterin und will mit Raths Vormieter sprechen, einem gewissen Alexej Kardakow. Als er im Zuge der kommunistischen Auseinandersetzungen an den ersten Maitagen zwei Leichen in die Charité bringen muss, sieht er den nächtlichen Besucher wieder. Tot auf dem Tisch des Gerichtsmediziners.

So gerät Rath in einen Fall, der manche Enttäuschung und Überraschung, aber auch jede Menge „Warum tut er das?“-Momente bereithält. Der Leser begibt sich mit Gereon auf die Reise durch die dunkle Seite Berlins, Ringvereine, kommunistische Splittergruppen, oder völkische Zeitgenossen.

Man bekommt ein Berlin im Umbruch serviert. Aus der Geschichte weiß man, was nur vier Jahre später passiert, wie sich die Politik ändert und wie wenig harmlos die völkischen „Spinner“ wirklich sind.

Der nasse Fisch-Füsse

Meine Meinung

Die Handlung ist spannend, nicht vorhersehbar und gut in den Ort und die Zeit eingebettet. Sympathie für den ehrgeizigen Polizisten hegt man, allerdings wird die gute Verbindung zwischen Rath und dem Leser mehrmals auf eine harte Probe gestellt. Integrität, Ehrlichkeit und Moral spielen für Rath nur eine geringe Rolle, was ihn oft verbissen und kalt wirken lässt.

Der Schreibstil ist klasse. Es wirkt für das Setting angemessen, der berlinerische Dialekt wird ausgeschrieben, das preußische Beamtentum wird so kalt und nüchtern dargestellt, wie man es sich nach allen Erzählungen ausmalt.

Besonders gefallen haben mir solche Stellen, in denen das Berliner Nachtleben und seine verwirrenden Gestalten beschrieben werden. Diese Welt mit Travestie, illegalen Nachtclubs und Pornoringen wirkt so modern, dass man kaum glauben kann, dass nur vier Jahren später, die Nationalsozialisten für zwölf Jahre die Macht an sich reißen konnten.

Meine Bewertung

Handlung: 5/5

Charaktere: 3/5

Spannung: 4/5

Schreibstil: 6/5 (wegen Authentizität)

 

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