Von Muskelprotzen und dem Jungen, der (nicht) überlebte – Gedanken

Da ich nicht nur Rezensionen schreiben und veröffentlichen möchte, habe ich mir heute mal gedacht, zur Abwechslung ein weiteres meiner Hobbys neben Musik, Büchern und Serien einzubringen: Die Philosophie.

Ich möchte keinen Vortrag à la Kant oder Descartes halten, vielmehr meine geistigen (mehr oder weniger hochintellektuellen) Ergüsse zum Thema „Helden“ mit euch teilen.

Sie begegnen uns in Büchern und Filmen, in Serien in Erzählungen. Helden. Aber wer ist ein Held und wer nicht?

Was verbindet man mit dem Wort Held? Mut, das Überwinden von Angst, Stärke (mental und physisch, sie gehören definitiv zu den Guten, sonst sind sie Anti-Helden. Auch die haben ihren Reiz, gar keine Frage. Ich bin ein großer Fan von dem Joker, dem Punisher, oder auch von Voldemort. Aber im Ursprung des Typus „Held“, in den antiken Dramen, gab es fast nur schwarz oder weiß. Die guten und die Bösen. Helden und Schurken.

Sieht man sich neuere Literatur an, besonders die größten Fantasy-Reihen der letzten Jahre: Harry Potter, Twilight, Percy Jackson oder auch die Chroniken der Unterwelt, dann merkt man schnell: Schwarz-Weiß verkauft sich gut.

Wir sehnen uns scheinbar nach einer Welt, in der man zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. James-Bond-Filme, Comicverfilmungen. Alle zeigen ganz typische Helden nach den Vorbildern der alten Meister.

Doch, sein wir mal ehrlich, im echten Leben sind gut und böse nicht immer so klar voneinander zu trennen. Es gibt viele Grauzonen, unklare Situationen oder manchmal sind es auch keine Menschen, sondern Prozesse, natürlich oder technisch, die nicht als gut oder schlecht zu definieren sind.

Als Beispiel für einen klassischen Helden habe ich Steve Rogers aka Captain America gewählt. (In meiner Beschreibung gehe ich von den Filmen im MCU aus)

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Steve Rogers ist klein und schmächtig, er darf nicht als Soldat der US-Army gegen die Nationalsozialisten kämpfen.

Mit der Hilfe eines Wissenschaftlers allerdings wird Rogers zum Superhelden mit viel Muskeln und übermenschlicher Kraft. Er kämpft gegen das personifizierte Böse; nicht nur Hitler, sondern auch die fiktive Organisation Hydra, die die Weltherrschaft an sich reißen will.

Von vornherein ist klar, wer die guten und wer die bösen Menschen sind. Captain America hilft der USA dabei den Krieg zu gewinnen. Diese Welt ist so schwarz-weiß, dass sie nichts mehr mit den historischen Fakten zu tun hat. Aber eine Heldengeschichte wie diese braucht eben keine Abstufungen oder Grauzonen. Sie lebt von einer klaren Linie zwischen Helden und Bösewichten.

Keine Frage. Ich liebe das Superhelden-Genre und schaue die Filme so wie es sich gehört in der chronologischen Reihenfolge (bis auf einen Ausrutscher mit Ant-Man uppsi!).

Und die Filmemacher sind mittlerweile davon weggekommen, nur Helden und nur Bösewichte zu kreieren. Iron Man zum Beispiel ist anfangs ein ziemlich unsympathischer Kotzbrocken, es gibt zwiegespaltene Charaktere wie den Winter Soldier oder den Punisher, den Gegner von Daredevil. Übrigens, ich fange jetzt nicht davon an, wie furchtbar Ich Iron Fist in der Serie finde, das würde ein Roman.

Naja, jetzt zu einer anderen Art von Held.

Was ist, wenn Helden nicht der bloßen Fantasie entspringen, sondern auf wahren Begebenheiten beruhen?

Niemand zeichnet real-fiktionale Helden so gut wie John Green. Ich möchte gerne auf mein Lieblingsbuch von ihm eingehen: Das Schicksal ist ein mieser Verräter.

Die Hauptfiguren: Hazel Grace und Augustus. Beide leiden an Krebs, beide gehen unterschiedlich damit um.

Der Krebs ist etwas, das weder durch Willenskraft, noch durch Muskelstärke besiegt werden kann, wenn man ihn überhaupt besiegen kann.

Als Helden im klassischen Sinn kann man die beiden also kaum bezeichnen. Aber was macht sie trotzdem zu Helden?

Da ist zum Einen der Überlebenswille, die Liebe zum Leben, die sie dazu macht. Zum anderen der Weg, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen. Sie kämpfen nicht direkt gegen den Krebs, sie kämpfen darum, jeden ihrer verbliebenen Tage so schön wie möglich zu machen.

Sie sind Helden, weil sie sich selbst treu bleiben, auch in Zeiten, in denen es schwerfällt.

Helden sind immer auch Vorbilder. Ich spreche jetzt nicht von Menschen, die sagen „Ich wünschte mein Freund und ich hätten Krebs, dann wären wir so süß wie Hazel Grace und Augustus“ #facepalm sondern von denen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Für sie können die beiden Jugendlichen Vorbilder sein, wie mit Krankheit und Leid umzugehen ist, möglicherweise – andere finden das Buch vielleicht auch geschmacklos, weil es den Krebs als Kuppler aussucht.

Ein Held, das muss niemand sein, der besonderes vollbringt, nicht nur Lebensretter sind Helden, auch die, die mit sich selbst kämpfen und sich nicht aufgeben sind Helden, auch die, die nicht kämpfen, weil es aussichtslos ist, sind Helden.

Die Welt ist nicht einfach nur schwarz-weiß. Wenn das einmal im Bewusstsein ist, sind entweder ganz viele Helden oder niemand mehr. Aber eine Welt voller Helden ist definitiv die schönere Vorstellung.

Was sind für euch Helden?

Mögt ihr die klassischen Heldenfiguren lieber oder solche, die nicht auf den ersten Blick als Helden erkennbar sind?

Habt ihr einen Lieblingshelden?

Andere Frage: Wollt ihr, dass ich regelmäßig sonntags solche Gedankengänge poste?

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