Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod – Olivier Roy

*Rezension – Werbung

Danke an das Bloggerportal, insbesondere den Siedler-Verlag für die Bereitstellung des Buches.

Ich stelle heute mal wieder ein Sachbuch vor. Nach Meinung mancher geht es um die direkte Konsequenz dessen, was Boris Palmer in seinem Buch, das ich vor einigen Wochen rezensieren durfte, anprangert. Ungehinderten Zuzug von Migranten nach Europa, insbesondere nach Deutschland.

Wie das mit der Folge zu verstehen ist, wird schnell klar, wenn man diverse einschlägige Foren besucht. „Wir holen uns den Terror ins Land“ wird dort, oftmals abgewandelt, aber dem Sinn nach gleich, skandiert. Olivier Roys Buch über den „Dschihad und die Wurzeln des Terrors“, wie der Untertitel des Buches lautet, erteilt dieser Aussage gleich doppelt eine Absage. Aber dazu später.

Olivier Roy

Roy ist renommierter Islamwissenschaftler in Frankreich und hat zahlreiche Publikationen zum Thema politischer Islam und Terrorismus veröffentlicht. In diesem Buch geht es um die Frage der Schuld des Islam, ob Gewalt wirklich in der Natur der Religion liegt und ob der Terrorismus des IS, der Taliban, Boko Haram etc. wirklich auf Grundlage des Islams entstanden ist.

Nun zur zweifachen Absage. Erstens, so Roy, handelt es sich bei dem Großteil der Terroristen nicht um solche, die erst vor kurzem mit der großen Flüchtlingswelle nach Europa kamen, sondern um Menschen, die bereits in Europa geboren wurden und zur sog. zweiten Generation gehören. Zweitens, und dies ist gleichzeitig eine Absage an diejenigen, die ihre Islamophobie hinter Angst vor Terrorismus verstecken, handle es sich bei den jüngsten Entwicklung nicht etwa um einen radikalisierten Islam, sondern um einen islamisierten Radikalismus.

Diesen Ansatz finde ich besonders spannend, da er erklärt, wie es sein kann, dass die meisten der Terroristen nicht als religiös beschrieben werden von Freunden oder Verwandten. Als Beispiel nennt Roy hier die Kouachi-Brüder, die mutmaßlich am Attentat auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo im Januar 2015 beteiligt waren. Sie trugen keine traditionell religiöse Kleidung, hörten Rap-Musik und tranken Alkohol. Roy führt eine ganze Liste von Terroristen dieser Art auf, die kaum nach den Regeln des Islams gelebt haben.

Mehr möchte ich eigentlich gar nicht sagen und es hierbei belassen. Er greift noch sehr viel mehr Themen auf, die genauerer Betrachtung bedürfen. Ich bin nicht in der Position darüber zu urteilen, ob das stimmt oder nicht. In meinem Kopf klangen die meisten Theorien logisch.

Ich fand das Buch sehr interessant geschrieben und recht einfach zu verstehen. Den psychologischen Ansatz kannte ich vorher noch nicht und hat meinen Horizont etwas erweitert. Natürlich ist solch ein Buch keine schöne Abendlektüre, aber wen das Thema interessiert und wer nicht davor abschreckt, Terroristen als Menschen zu sehen statt als Monster, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen. Dick ist es auch nicht besonders.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Jojo

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