Istanbul Istanbul – Burhan Sönmez

*Danke an das Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Internationale Literatur, besonders zeitgenössische, ist häufig eine gute Ergänzung zu dem, was in den Medien berichtet wird. Denn was damals im Deutsch-Unterricht schon galt, bei Werken von Schiller und Goethe, ist heute nicht anders: Kein Autor kann sich davon freisprechen, seine Umwelt irgendwie mit einzubringen.

Manche tun das sehr subtil, über viele Ecken und Gleichnisse, andere offensichtlicher, als knallharte Gesellschaftskritik oder Romane über den Zeitgeist des Landes oder der Stadt.

Um die zweite Kategorie handelt es sich bei dem Buch, das ich heute vorstellen möchte.

Worum geht es?Sou0308nmez.jpg

Vier Gefangene, alle mehr oder weniger schuldig, sitzen in einer unterirdischen Gefängniszelle irgendwo in Istanbul. Sie sehen kaum Licht, können zwischen Tag und Nacht kaum unterscheiden. Jeden Tag müssen sie Angst haben, zum Verhör geholt zu werden und dort gefoltert zu werden.

Die vier Männer sind unterschiedlich alt, unterschiedlich gebildet, unterschiedlich vom Charakter. Das einzige, was sie auf den ersten Blick verbindet, ist die Gefängniszelle.

Doch jeder hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Geheimnis, das die Folterer ihm entlocken wollen. Um sich abzulenken erzählen sie sich Geschichten, Anekdoten mit Pointen, die die gedrückte Stimmung auflockern, Hoffnung geben.

Mit der Zeit kommen mehr Verbindungen zwischen den Männern zum Vorschein und es wird klar, worum es eigentlich geht. Um Istanbul. Eine Stadt voller Geschichte, voller Schmerz und Sehnsucht. Die Gefangenen werden zur Analogie für die Bürger der Stadt, die ihren Zauber durch die Moderne verloren hat.

Meine Meinung

Sönmez schafft es, einen Roman zu schreiben, der nicht den erhobenen Zeigefinger mimt, sondern voll poetischer Sprache und Sehnsucht von dieser mythenreichen und geschichtsträchtigen Stadt erzählt, die so viel Leid und Kummer in sich hat, aber auch kindliches, naives Glück.

Zu den Charakteren will ich gar nicht so viel sagen. Nur folgendes. Einer ist Student, einer Barbier, einer Doktor und einer alt. Mehr braucht man nicht zu wissen, um dieses Buch anzufangen.

Der Schreibstil hat mich absolut überzeugt. Er war nicht verharmlosend und euphemistisch poetisch, sondern realistisch und weltlich. Der Autor schafft es, im Leser gleichzeitig Sehnsucht nach Istanbul zu entdecken, es gleichzeitig aber auch zu fürchten und den verzaubernden Schleier von ihm zu nehmen.

Das Buch ist eine Liebeserklärung an eine Stadt, die mit sich selbst zu kämpfen hat und ist voller warmer Hoffnung darauf, dass sie den Kampf gewinnt. Absolut lesenswert für jeden, der sich für Istanbul interessiert oder auch einfach nur nach einem toll geschriebenen Buch sucht!

Fazit

Handlung: 4/5

Charaktere: 5/5

Spannung: 3/5

Schreibstil: 5/5

 

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