Über „guten“ Patriotismus zur Fußball-WM

Ich hatte ja schon angekündigt, dass es hier demnächst politischer zugehen wird und da werde ich mein Wort halten. Deshalb heute, zwei Tage nach dem Ausscheiden des deutschen Teams, ein paar Gedanken über das Verhältnis zur deutschen Nationalmannschaft.

Vorweg gesagt: Ich liebe Fußball, auch wenn ich die FIFA für eine korrupte und geldgeile Maschinerie halte, die den Fußball zerstört. Trotzdem schaue ich so gut wie jedes Spiel der WM, wenn ich kann. Ich bin auch nicht aus Prinzip gegen Deutschland.

Das nur zur Einordnung dieses Posts in meine politische Meinung.

Ich glaube 2006 zum Sommermärchen, zur Heim-WM, „Die Welt zu Gast bei Freunden“ habe ich zum ersten Mal Deutschlandfahnen überall gesehen. Damals war ich zehn. Heute bin ich 22, habe schon einige Weltmeisterschaften im Männerfußball mitbekommen und habe mich an die Autokorsos alle zwei Jahre gewöhnt. Warum auch nicht? Diejenigen, die es nicht mit Deutschland halten, fahren ja auch mit Gejohle und Fahnen ihres favorisierten Landes durch die Straßen und jubeln.

WM2
Das bin ich 2007, wie ich nach dem Titelgewinn zusammen mit Tausenden von Menschen die Frauennationalmannschaft in Frankfurt feiere!

Da ist doch kein Unterschied, oder?

Dazu später mehr. Es gab dieses Jahr einen Vorstoß einer parteinahen Organisation für ein Fahnenverbot. Warum? Das Zeigen der Flagge zeige Nationalstolz, welcher in letzter Konsequenz zu Rassismus führe. Gut gemeint ist hier wieder die kleine Schwester von schlecht. Für viele scheint die Heim-WM 2006 geradezu ein Befreiungsschlag gewesen zu sein, die Fahne des Landes wieder zeigen zu dürfen. Freunde macht man sich als politische Organisation mit so einem Verbot nicht.

Aber ist die Initiative nicht eigentlich richtig? Was bedeutet Nationalstolz und warum ist er gut oder schlecht?

Stolz auf die eigene Nation sein? Warum überhaupt? Weder ist es eine Leistung, die deutsche Staatsbürgerschaft zu haben, wenn man in Deutschland geboren ist, noch kann man so richtig ’stolz‘ darauf sein, im gleichen Land zu leben wie Goethe damals oder eben ein paar Fußballspieler.

Viele Länder haben eine Kultur des Nationalstolzes entwickelt. Ganz vorne dabei die USA, deren Flagge omnipräsent ist. Die Deutschen tun sich aus gutem Grund schwer mit dem Zeigen von Nationalstolz. Die Ereignisse von vor über 70 Jahren wirken immer noch nach und das ist gut so. Wir haben kein „Mahnmal der Schande“ in unserer Hauptstadt, sondern eine Mahnung an alle Nationen, dass wir für den Frieden, der heute in Europa herrscht, einen furchtbaren Preis gezahlt haben.

Seit der Shoah ist Europa zusammengewachsen und nach einer jahrhundertelanger Geschichte voller Kriege und Konflikte, herrscht jetzt ein Friede, den wir verteidigen müssen gegen alle Kräfte, die versuchen ihn zu stören. Demokratiefeinde, Feinde der sexuellen Selbstbestimmung in allen Richtungen, Populisten, die ihre Machtkämpfe auf dem Rücken derer austragen, die so schon am meisten zu schleppen haben.

Aber was hat das alles mit Fußball zu tun?

Die Fußball-WM, der spielerische Kampf von Nation gegen Nation, gepaart mit Nationalstolz führt nicht selten zu einem „WIR“-Gefühl, das „die Anderen“ ausschließt oder gar anfeindet. So wie ich mich als Dortmund-Fan nicht im schwarz-gelben Trikot in einen Block der Schalker Ultras wagen würde, würde ich nicht unbedingt im französischen oder niederländischen Trikot mich unter National-Elf-Ultras mischen.

Es mag sein, dass es Gesellschaften gibt oder Umfelder, in denen die Farbe des Trikots irrelevant ist, aber vielleicht ein besseres Beispiel ist eine Person of Color, die nicht zur deutschen Mannschaft hält. Sei es aus Desinteresse oder aus Sympathie für ein anderes Team. „Du bist kein richtiger Deutscher, wenn du nicht für die Nationalmannschaft bist“.  Das ist nichts anderes als das Meckern darüber, dass manche Spieler die Hymne nicht mitsingen.

Es wird zwischen aufrechten Deutschen unterschieden, die „DIE MANNSCHAFT“ anfeuern, die Hymne mitsingen und am besten auch „Deutsch“ aussehen, und denen, die das nicht tun und möglicherweise nicht „deutsch“ oder mitteleuropäisch aussehen. Dadurch entsteht Rassismus. Um es mit den Worten der Rapper Nico, Tarek und Maxim von K.I.Z. zu sagen: „Ihr Partypatrioten seid nur weniger konsequent als diese Hakenkreuzidioten“

Fazit

Niemand möchte verbieten für die Mannschaft des Heimatlandes zu sein und auch das Zeigen einer Nationalfahne ist nichts Schlimmes. Problematisch wird es erst, wenn das ganze unüberlegt passiert und in einem „WIR“- Gefühl mündet, das andere ausschließt.

Wie seht ihr das? Guckt ihr die WM? Zu welcher Mannschaft haltet ihr jetzt, wo die Deutschen raus sind? Schreibt es mir in die Kommentare!

xx Jojo

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