Dieses Ding mit der Vergangenheit

Fünf Jahre ist es nun her, dass ich mein Abi und damit das Ende einer Zeit erreicht habe, die mich charakterlich geprägt hat, wie keine andere. Erstmal ohne Wertung. Wer mich besser kennt, weiß, dass meine Schulzeit Höhen und Tiefen hatte. Höhen meistens im Unterricht, Tiefen… wenn ich alleine auf dem Pausenhof saß. Kein Vorwurf. Ich war und bin kein einfacher Mensch.

Aber hier soll es nicht um die Entwicklung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan gehen.

Nach der Schule habe ich schnell den Kontakt zu den meisten Leuten verloren, mit denen ich vorher acht Jahre lang fünf Tage die Woche in einem Raum gesessen habe. Ich hab mich nach dem Abi und während des Studiums nochmal ein ganzes Stück weiter entwickelt, bin offener geworden, politischer und, zumindest glaube ich das, fröhlicher und glücklicher.

Schulzeit war Druck. Untertauchen war nicht. Lauf mit oder bleib alleine.

Seit Wochen habe ich Angst davor, die ganzen Leute wiederzutreffen. Die ich nicht mochte, die mich nicht mochten. Ich hab Angst, in alte Muster zurückzufallen. Wenn du fünf Jahre keine Schokolade gegessen hast, gibt es zwei Möglichkeiten, was passiert, wenn du wieder welche isst:

1. sie schmeckt dir nicht mehr, sie lässt dich kalt

2. du isst so viel, dass Dir schlecht wird, und Dir wieder klar wird, warum du damals angefangen hast, zu verzichten

Ungefähr so stelle ich mir das mit Klassentreffen vor. Entweder interessieren mich die Leute null mehr und außer Banalitäten austauschen passiert nicht viel, oder aber ich falle in meine alte Rolle zurück, nehme sie an und kriege die Krise.

Fünf ganze Jahre… in der Zeit ist so viel passiert, wahrscheinlich mache ich mir viel zu viele Gedanken darüber, was passieren könnte.

Heute habe ich mich mit einer Freundin getroffen, die ich tatsächlich in und nach der Schulzeit als eine solche bezeichnen kann. Es war… anders als erwartet. Wir haben zwar viel über die Schule geredet, aber es war zu weit weg, als dass es mich wirklich tangiert hätte. Andere Stadt, beim Kaffeetrinken, man redet über alles was passiert ist, was passieren wird. Wie Träume geplatzt sind oder sich als Albträume entpuppt haben. Wie sich Ziele verschoben haben.

Wir sind heute andere Menschen als damals, das wird wohl keiner abstreiten. Wir sind aber auch gleich. Die Themen sind fast die gleichen, sie ist genauso quirlig und aufgedreht wie früher. Sie ist ein Stück Heimat und Kindheit für mich. Das ist gut.

In meinen Erinnerungen fehlen oft die schönen Momente, Sticheleien bleiben viel eher im Gedächtnis als Komplimente. Ich will sie nicht hochstilisieren oder so, aber für mich ist sie ein Symbol für all die schönen Momente, die ich in den acht Jahren Gymnasium erlebt habe.

Der Kontakt zu den Menschen von damals ist immer mal wieder mehr oder weniger vorhanden. Wir haben uns vor heute fast drei Jahre nicht gesehen. Aber was interessiert das, wenn wir schon so lange Freundinnen sind? Der Tag heute hat mir gezeigt, dass ich glaube ich ganz gut über meine Schulzeit hinweg bin. Sie ist nicht mehr nur meine Freundin aus der Schule, sondern meine Freundin, die ich schon seit der Schulzeit habe. Es ist ein überwältigendes Gefühl, so jemanden zu haben.

 

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