Weekly Update No. 2 – Über Nächte im Museum, Wasabi und Abgabefristen

Jetzt sitze ich hier, futter Chips, trinke Fanta (das Zeug macht süchtig; haltet euch von Fanta-Fans fern, manche trinken auch mal 2 Liter an einem Abend) und überlege, wie ich das dieswöchige Update gestalten kann. Nebenher läuft der Podcast Herrengedeck und ich höre den beiden (Wal-)Berlinerinnen dabei zu, wie sie über Gott und die Welt reden und nebenbei ein Herrengedeck trinken.

Nachts im Museum mit Ben Stiller war ja im ersten Teil ganz witzig, danach war es dann aber auch gut. NICHT JEDER FILM BRAUCHT EINE FORTSETZUNG, LEUTE! In meiner Lieblingsstadt am Rhein war am Wochenende Nacht der Museen. Ganz ohne Nachtwächter und ohne Dinge, die zum Leben erwachen (obwohl einiges ein bisschen so aussah). Die Nacht der Museen findet jährlich statt, gibt es in vielen Städten und soll Werbung für Museen machen. Der Museumstag in der Schule war ja meistens eher… semi-beliebt. Außer man fährt in so ein cooles Freilichtmuseum (Danke dafür, Herr C.!) wie wir damals. Aber eigentlich sind Museen wirklich nicht so spannend, zumal sie meistens auch recht teuer sind und man mit halbem Gehirn noch bei der nicht gewaschenen Wäsche zuhause ist und sich wie ein Tourist fühlt, der irgendwie auch gar nicht so richtig da hin passt. Der Otto-Normalverbraucher-Student ist eher mit Binge-Watching und Hausarbeiten beschäftigt, als ins Museum zu gehen. Genau für solche Leute (also mich) gibt es die Nacht der Museen. Über 40 Museen für 14€ besuchen. Und das von 19 bis 2 Uhr. Eigentlich wirklich ziemlich geil.

Düsseldorf hat auch genug Museen, um den Abend zu verbringen. Angefangen habe ich mit Pixar-Kurzfilmen und geendet hat die Nacht dann im Boui Boui Bilk. Da waren Sachen ausgestellt von Hobbykünstlern und anderen coolen Leuten. Ein bisschen Hipster, aber Industriehallen haben einfach immer ihren Charme. ANGEBLICH soll diese mega coole Location bald Wohnungen weichen, für viele eine absolute Katastrophe.

Boui Boui

Ausstellungsstücke im Boui Boui Bilk zur Nacht der Museen. Credits gehen an meine Freunde, die die Bilder lieberweise zur Verfügung gestellt haben. Danke dafür!

Was war sonst noch?

Vor der Nacht der Museen war ich Frozen Yoghurt essen. Das allererste mal in meinem Leben, und es war absolut geil. Perks of being a Landei, man lernt in der Stadt immer neue Sachen kennen. Das war auf jeden Fall super für den schön sonnigen Tag.

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Ich hab Podcasts für mich entdeckt. Klar hab ich vorher schonmal welche gehört, aber die liebe Ana hat mir die Augen, oder viel mehr die Ohren geöffnet und jetzt sitze ich am Schreibtisch, um halb eins in der Nacht und höre einen Podcast, während ich hier meinen Blogpost schreibe.

Anas Empfehlungen könnt ihr auf ihrem Blog nachlesen, ich würde lieber einen anderen Podcast kurz vorstellen. Womit wir bei dem zweiten Tag der Überschrift wären, WASABI, oh yes. Unfassbar geiles und scharfes grünes Zeug, schmeckt ein bisschen wie in der gleichen Fukushima-Fabrik gefertigt wie Center-Shocks, besonders wenn es aus dem ALDI-Asia-Wochen-für-unter-30ct-Regal kommt und möglicherweise noch bis zur Zombie-Apokalypse überleben wird. Jedenfalls… Darum geht es nicht. Es geht um eine Musikjournalistin, die sich Jule Wasabi nennt, richtiger Name unbekannt. Sie ist nicht grün und hört auch keinen K-Pop oder sowas. Ne, sie unterhält sich mit dem Hiphop- und Rap-Kenner Falk Schacht über Rap – Deutschrap, Gemüsewrap, Battlerap. Einmal pro Woche und das seit Januar. Es geht um aktuelle Alben, gute und schlechte, Skurriles aus der Welt der Musik, Theorie, Geschichte und einfach ganz viel Unterhaltung. Witzig gemacht und perfekt für eine langweilige Bahnfahrt. Schacht und Wasabi! Unbedingt anhören!

Während ich das hier schreibe, steht neben mir ein Fahrrad, auf Sattel und Lenker und mit einem kaputten Reifen. Es steht da seit… Oktober, wo der Hausmeister meinte, alle Fahrräder aus dem Fahrradkeller zu werfen, die kaputt sind. Zwei Tage vor meinem Urlaub damals. Richtig geil. Steht das Ding also in meinem Zimmer und wartet nur darauf, dass ich es endlich wieder auf Vordermann bringe. Vielleicht… im April. Ja, doch, im April versuche es mal hinzubekommen.

Genau wie meine Hausarbeit. Upps. Schon wieder geschludert. Aaaaber, ich hab heute immerhin 1000 Wörter oder so geschrieben *props an mich*, ganz guter Schnitt dafür, dass ich immer noch kein Thema habe. Und fuck! Ich hab tatsächlich zwei ziemlich wichtige Wischs verloren oder was auch immer, und die brauche ich für meine Bewerbung an der FU Berlin, die ich bis spätestens Ende Mai fertig haben muss. Oh mein Gott, das ist so peinlich. Eigentlich wollte ich bis zum Bewerbungsanfang am 15. April fertig sein mit allem. Das wird schwierig, zumal das auch das Osterwochenende ist, wenn ich das richtig sehe.

Ist euch sowas schonmal passiert, dass ihr sowas verlegt habt und dann beim Dozenten oder Professor anfragen musstet, ob er euch das nochmal ausstellt? Sowieso der größte Witz, dass wir das immer noch analog haben. Andere Unis lachen uns aus, weil wir immer noch mit Zetteln arbeiten. Aber gut. Muss ich mit leben.

Ich hab irgendwie ein bisschen Schiss vor allem, was so vor mir liegt. Bachelor, Master, Berlin, Leben, Arbeiten… Ach Gottchen, dem widme ich vielleicht auch nochmal einen Post.

Danke auf jeden Fall für’s Lesen und genießt die längeren Tage und die Sonnenstrahlen, die über Schland stehen und die Haut von Gingerheads ihrer Haarfarbe angleichen!

Donnerstag kommt dann auch mal die Vorstellung der lieben Hannah. Wir wissen noch nicht genau, wie das laufen wird, aber wir hoffen mal, dass unser kleiner aber feiner Plan sich ein bisschen gut in die Tat umsetzen lässt.

Bis denne,

Joanna

 

Über Instagram und Moshpits – You Me At Six in Köln am 20.3.2017

„We’ll be back in Cologne on March 20th 2017“ Oh yes, war mein erster Gedanke. Semesterferien, bald mit der Uni fertig. Das Ticket war schnell gekauft, nachdem meine Lieblingsband mir am 1.11.16 im Luxor in Köln schon ziemlich gut gefallen hatte.

Kurz nach Weihnachten kam dann auch noch die neue Platte raus. Night People heißt sie und mit der Platte sind die fünf Briten derzeit noch in Europa unterwegs. Ich war mit mehreren Leuten da, eine Freundin aus meiner Schulzeit und die Clique rund um meine Cousine. Wir waren mit allem ausgestattet – T-Shirts, Textsicherheit, gute Laune.

Die Vorbands (Ich merke die Mehrzahl an!) haben schon ganz gut Stimmung gemacht, auch wenn ich zwei recht ähnlich klingende Verbands ein bisschen übertrieben fand für eine Show vor 1000 Leuten. Aber gut, wenn man sich drauf einließ, war alles gut. Und schlecht waren sie nicht.

The Amazons

Sänger Matt Thompson von The Amazons auf der Bühne in der Live Music Hall in Köln.

The Amazons – Black Magic

The Xcerts – Shaking In The Water

Kurz bevor dann You Me At Six auf die Bühne kamen, lief Stressed Out von Twentyone Pilots. Man merkte einfach, dass da ein ähnliches Publikum war. Besonders vorne wurde fleißig mitgesungen und danach kam die Band dann auf die Bühne und alle waren schon gut gelaunt und eingestimmt. Manche fanden das Lied vorher strange, ich fand es ziemlich geil.

Das Konzert war super. Ich kann es einfach nicht anders sagen. Die Setlist war ausgewogen. Es war nicht zu viel und nicht zu wenig Neues, auch wenn ich es immer wieder schade finde, dass nichts vom ersten Album gespielt wird, aber 2018 wird Take Off Your Colours zehn Jahre alt, vielleicht besteht ja Hoffnung auf eine Jubiläumstour. Auch wenn schon häufiger rumging, dass die Band das Album hasst. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Quelle: twitter.com

Josh Franceschi über den Song ‚Gossip‘, der Kontext ist nicht ganz klar. Scheinbar haben Fans die Setlist der Tour gepostet und Josh wollte dann einfach die Setlist ein bisschen verändern. Ob der Tweet wirklich ernst zu nehmen ist, ist gar nicht ganz klar.

Die neue Art Konzerte zu sehen

Konzerte, Festivals… Wo es früher noch darum ging, seine Lieblingsband zu sehen und eine schöne Zeit zu verbringen, geht es derzeit nur noch darum, möglichst vielen Leuten mitzuteilen, dass man da ist und alle am Konzert teilhaben zu lassen. Ich hatte das riesige Glück, neben einer Gruppe Mädchen zu stehen, die ganz ehrlich jedes Lied gefilmt haben und bei Snapchat und Instagram gepostet haben. „Guck mal hier, wie cool ich bin, ich steh in der zweiten Reihe beim Konzert!“ Ich hab angefangen, mir die Zeit zurückzuwünschen, in der das Filmen aus Rechtsgründen verboten war. Was bringt einem so ein Konzert, wenn man es nur durch den Bildschirm eines Handys sieht? Da kann man auch zuhause bei YouTube oder so Videos gucken und den Ton ganz laut machen.

Josh

Josh Franceschi auf der Bühne mit einem Mädchen direkt vor mir, das ihn filmt.

Im November bei Twentyone Pilots ist mir das zum ersten Mal aufgefallen, wie nervig das einfach ist. Es kommt keine wirkliche Stimmung auf und man merkt einfach, wie sich die Gründe, auf Konzerte zu gehen, verändert haben. Für viele geht es nicht mehr darum, ihre Lieblingsband zu sehen, Spaß zu haben, sondern es geht darum, möglichst viele neue Follower bei Instagram zu bekommen, so zu tun als hätte man ein interessantes Leben… Versteht mich bitte nicht falsch. Mir geht es nicht um ein paar Bilder. Die mache ich selbst sehr gerne, von meinem Lieblingslied oder so vielleicht auch mal ein Video, aber bei einem Konzert will ich die Atmosphäre genießen und nicht die ganze Zeit ein Handydisplay vor der Nase haben.

Zwischendurch habe ich mir tatsächlich ein Moshpit gewünscht, das den Mädchen die Handys aus den Händen schlägt. Ein Wunschtraum, aber eigentlich ein schöner. Ein Konzert ohne Instagram, oder noch besser, ohne Handys, nur mit Digitalkameras, mit denen man im besten Fall ein gutes Foto schießt.

Josh Franceschi Köln 20.3.17

Beim letzten Song wurde mir endlich der Wunsch nach einem Moshpit erfüllt. Es war nichts großartiges, nichts mit viel Gewalt oder so, einfach nur lockeres rumschubsen und ausgelassen sein. Ich hab es genossen.

 

Wie sieht’s bei euch aus? Habt ihr solche Erfahrungen auch schon bei Konzerten machen müssen? Wie findet ihr das? Schreibt es mir in die Kommentare!

Bis denne,

Joanna

Weekly Update No. 1

Die paar Blogs, denen ich folge, haben mich dann mal dazu inspiriert, auch so eine Art Logbuch zu führen. Steckt ja auch in Blog drin. Dann also hier das erste Wochenupdate auf kuntergrauewelt:

Titel, die ich nicht haben möchte

Umfragen-Expertin. In einer Tätigkeit, in der man nichts können muss, außer Menschen solange zu nerven, bis sie einem eine Antwort auf eine Frage geben, die so konstruiert ist wie C3PO, bin ich gar nicht so scharf darauf, als Expertin bezeichnet zu werden. Vielleicht war es auch mit einem Augenzwinkern gemeint, aber das Kompliment konnte und wollte ich nicht als solches auffassen.

Bullet Journal

Dinge, die ich mir vornehme

Ich hab mir ein Notiz-Buch gekauft (OMG! BIST DU VERRÜCKT?) Wow. Nein, was besonderes ist das tatsächlich nicht. Aber was ich damit vorhabe, ist für eine Chaos-Queen wie mich dann doch nicht ganz so normal. Ich versuche, ein Bulletjournal zu führen. Für Leute, die nicht wissen, was das ist: Man ordnet quasi sein Leben in Listen, Seiten und Büchern. Tageweise, Wochenweise, als Bucket-List oder in Form von motivierenden Sprüchen. Ich hab sowas noch nie gemacht und bin mal gespannt, wie lange ich es auch durchhalte. Vielleicht wird es dann ja einfacher, Deadlines einzuhalten und Entscheidungen zu treffen. Ist ja natürlich auch eine schöne Erinnerung, vielleicht auch an ganz kleine Sachen. Gerade bin ich dabei, mangels Reiseführer für Osteuropa, für die Städte, die meine bessere Hälfte und ich im Sommer sehen wollen, mal eine Liste von Sehenswürdigkeiten anzufertigen. Vielleicht hat ja auch jemand Lust, dabei zu helfen. Zu der Route wird auch noch ein eigener Post kommen.

Bis zum 30. Juli will ich meine Bachelor-Arbeit fertig geschrieben haben. Ambitioniert, wenn man bis jetzt noch kein Thema hat und keine Anmeldung und nichts. Aber in Ordnung, dann ist das halt erstmal so. Danach geht es dann erstmal auf besagte Reise und dann auch schon, wenn alles klappt, mit Sack und Pack und Umzugskartons in die deutsche Hauptstadt zum Weiterstudieren.

Für mein letztes Semester hab ich mir vorgenommen, strukturierter und vielleicht ordentlicher zu werden. Das Fahrrad, das seit ein paar Monaten kaputt in meinem Zimmer steht, soll wieder fertig gemacht werden und ich sollte mal ungeliebte Dinge ausmisten, sonst warte ich da wieder ewig mit.

Unter Prüfungsstress und Faulheit hat mein politisches Engagement ziemlich gelitten. Für die restlichen Monate an der HHU will ich mich daher wieder mehr bei Amnesty International einbringen und vielleicht auch den Wahlkampf zur Landtagswahl für eine Partei aktiv mitgestalten. Wählen gehe ich aber auf jeden Fall.

Außerdem will ich mehr arbeiten, weniger Serien gucken, weniger Fast-Food Essen, mehr mit meinem Freund unternehmen und mehr Sport treiben.

Menschen, die mir bei dem ganzen helfen

Ganz vorne natürlich meine Eltern und meine Familie generell, mein Freund, meine Freunde, ganz besonders Hannah, die ihr bald genauer kennenlernen werdet. Sonst noch diverse Musiker und fiktive Figuren, die mir helfen aus dem Stress und Alltag zu fliehen.

Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen. Lasst doch einfach mal einen Kommentar da 🙂

Bis denne,

Joanna

 

Mal ein politisches Statement

Fast ein Jahr nach der Veröffentlichung meines ersten Posts hier gibt es erst eine Hand voll. Das liegt größtenteils daran, dass ich dank Uni und Freund nicht mehr dazu gekommen bin. Das soll sich jetzt aber ändern.

In der Uni geht es jetzt für mich auf das Ende zu, die Bachelorarbeit lauert hinter jeder Folge Gilmore Girls und will mich packen. Bisher versuche ich, dem Stress so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen, aber lange kann ich mir nicht mehr Zeit lassen.

Aber beiseite mit meinen white-privileged-girl Problemen. Heute, am 8.3. ist Weltfrauentag und auch wenn hier in Deutschland und Europa längst noch nicht alles Potenzial in Sachen Gleichberechtigung ausgeschöpft ist, gibt es Länder, in denen es noch viel schlimmer aussieht. Dazu zählen die arabischen Staaten, aber auch die konservativ christlichen in Südamerika.

Das erste Mal darauf aufmerksam wurde ich durch ein Magazin von Amnesty International zur Kampagne „My Body My Rights“. In einigen südamerikanischen Ländern wird der Schwangerschaftsabbruch, egal ob freiwillig oder unfreiwillig, mit einer sehr sehr langen Haftstrafe geahndet.

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Heute will ich einzig und allein darauf aufmerksam machen, dass es noch allerhand zu tun gibt. Sowohl bei uns, als auch in anderen Ländern.

Wenn ich sehe, dass ein EU-Abgeordneter Polens mit Argumenten aus dem letzten Jahrhundert um die Ecke kommt, um Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern zu verteidigen, weiß ich, dass noch unheimlich viel zu tun ist, bis Gleichberechtigung auch in Europa in allen Köpfen angekommen ist.

Mir wird schlecht, wenn ich so etwas sehe. Und mir wird schlecht, wenn das Argument „Frauen wollen ja gar nicht in Führungspositionen“ von jemandem kommt, von dem ich es absolut nicht erwartet hätte. Dass viele Frauen Führungspositionen nicht bekleiden wollen, ist ein Fakt. Aber was dahinter steht, sollte uns doch sehr zu denken geben. Dahinter steht nämlich ein System, das es diesen Frauen, die qualifiziert sind, unheimlich schwer gemacht wird, solch eine Position einzunehmen, nicht wegen fehlender Quote, sondern wegen fehlender Möglichkeiten. Selbst wenn die Frau mehr verdient als der Mann, ist sie es meistens, die zuhause bleibt, um auf das Kind aufzupassen. Meine Familie ist da ein bisschen die Ausnahme. Meine Eltern haben sich damals beide mit Arbeiten abgewechselt, um sich um mich zu kümmern. Nur ganz am Anfang war meine Mutter alleine zuhause. Und das obwohl sie weniger verdient hat.

 Ich habe irgendwie grade das Ziel dieses Posts aus den Augen verloren. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, vielleicht ein bisschen Humor reinzubringen, aber leider ist das bei so einem Thema äußerst schwer.

 Eine Frau hat das allerdings ziemlich gut gemeistert. Und das ist die wunderbare Sarah Bosetti, die es in der Anstalt vom Februar auf den Punkt gebracht hat.

Sarah Bosetti über Feminismus bei der „Anstalt“ vom 7.2.2017

Also, Mädels und Jungs, macht euch stark, setzt euch ein und profitiert von unserer Meinungsfreiheit, Wahlfreiheit und auf dem Papier schon vorhandener Gleichberechtigung!

Danke für’s Lesen. Ich hoffe, der Post hat euch gefallen. Über Kommentare freue ich mich natürlich immer.

Bis dann,

Joanna

Bücher für die grauen Wintertage

Manche lieben ihn, manche hassen ihn. Den Winter. Ich gehöre eher zur ersten Kategorie, zumindest wenn Winter gleichbedeutend mit Schnee ist. Dann gehe ich Skifahren und genieße es richtig. Aber in der Stadt, in der ich studiere, ist liegen bleibender Schnee eher eine Seltenheit. Deshalb hier eine kleine Auswahl an Büchern, mit denen man sich gut ins Bett oder auf die Couch kuscheln kann und in andere Welten eintauchen kann.

Der Klassiker: Fjodor Dostojewski – Der Spieler

Ein russischer Lehrer, der in einem reichen Haus eine Stelle findet, sieht sich mit Problemen konfrontiert, die er nie zuvor hatte. Seine große Liebe ist ein ziemliches Miststück und arrogant bis in die Fußspitzen, sein Arbeitgeber spekuliert auf den Tod seiner Tante und das damit verbundene Erbe und ebendiese Tante verspielt im Kurhaus einer deutschen Stadt einen großen Teil ihres Vermögens.

Eine wunderbar unterhaltsame Geschichte über die Irrungen und Wirrungen der oberen Mittelschicht im Zarenreich und ein perfekt gezeichnetes Porträt eines mit sich selbst und seiner Umwelt überforderten Kleinbürgers.

Der Spieler von Fjodor Dostojewski vom Anaconda-Verlag ca. 5€

Der Spieler von Fjodor Dostojewski vom Anaconda-Verlag ca. 5€

Die Fantasy-Reihe: Kai Meyer – Die Sturmkönige

Teil 1: Dschinnland

Teil 2: Wunschkrieg

Teil 3: Glutsand

Die Geschichte dreht sich um Tarik al-Abbas und Sabatea, die Vorkosterin des Emirs von Samarkand. Tarik ist ein Schmuggler, ein Kleinkrimineller, der bei illegalen Teppichrennen Geld verdient. Durch widrige Umstände zusammengeführt, machen sie sich auf Tariks Teppich auf den Weg nach Bagdad, doch zuerst müssen sie durch die Wüste.

Die Wüste ist bevölkert von Dschinnen, nicht-menschlichen Wesen, die der Menschheit den Krieg erklärt haben. Es stellt sich heraus, dass Tarik mit dieser Reise durch die Wüste den Verlust seiner großen Liebe Maryam verbindet und Sabatea hütet ein Geheimnis, mit dem man nicht gerechnet hat.

Die Geschichte im Orient des Mittelalters liest sich wie eine Mischung aus Tausendundeiner Nacht, Reiseberichten und einer gehörigen Portion Kampf, Blut und Tränen. Für mich war es die erste Reihe, die ich von Meyer gelesen habe und sein Schreibstil hat mich dermaßen fasziniert, dass ich mittlerweile fast ein ganzes Regalbrett mit seinen Büchern vollstehen habe. Definitiv lesenswert und Gedanken an die Wüste sind warme Gedanken.

Die letzten zwei Bücher der Sturmkönige-Trilogie von Kai Meyer. Bastei-Lübbe Verlag, jeweils 10€ in neuer Auflage

Die letzten zwei Bücher der Sturmkönige-Trilogie von Kai Meyer. Bastei-Lübbe Verlag, jeweils 10€ in neuer Auflage

Der Roman: Shani Boianjiu – Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst

In Israel muss man zum Militär. Das ist Gesetz. Auch für Mädchen. Auch Yael, Avishag und Lea können sich nicht davor drücken. Aufgewachsen in einem Dorf an der Grenze zum Libanon, schon früh mit Bombenalarmen und dem Tod geliebter Menschen konfrontiert, treten die drei Mädchen ihren Dienst beim Militär an. Avishag landet bei einer Kampfeinheit, Lea bei der Militärpolizei und Yael wird zur Waffenausbilderin.

Was tun drei Mädchen, unmittelbar nach der Schulzeit eingezogen, in ihrem Leben als Soldatinnen? Yael versucht sich an Seitensprüngen, Lea flieht in Traumwelten und Avishag sucht Schutz im Militärgefängnis.

Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst ist ein gelungenes Porträt der Umstände, unter denen Jugendliche zum Militär gehen. Der Tod ist allgegenwärtig. Keiner wird besonders ausgeschmückt, meist ist er nur eine Randnotiz. Angst bekommen die Soldaten erst 2006, im Libanon-Krieg.

Es ist kein klassischer Roman mit zusammenhängender Geschichte, aber definitiv jede Sekunde wert, sich damit zu beschäftigen. Nachdem im letzten Jahr mal wieder ein Literatur-Kanon rausgegeben wurde, bestehend aus weißen männlichen Autoren, hat das Vice-Magazin seinen eigenen rausgegeben, unter anderem mit diesem Buch.

Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst von Shan Boianjiu. Verlag Kiepenheuer & Witsch für ca. 20€

Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst von Shan Boianjiu. Verlag Kiepenheuer & Witsch für ca. 20€

PS: Wer nach Lösungen für den Nahost-Konflikt sucht, ist bei diesem Buch an der falschen Adresse.

Ich hoffe euch gefallen meine Buchtipps, ihr könnt mir auch gerne Vorschläge senden, was ich mal lesen sollte.

xoxo,

Joanna

 

Segways & Selfiesticks – Das Paris Tschechiens

„Hier war mein Gymnasium, dort in dem Gebäude, das herübersieht, die Universität und ein Stückchen weiter links hin mein Büro. In diesem kleinen Kreis“ – und mit seinem Finger zog er ein paar kleine Kreise – „ist mein ganzes Leben eingeschlossen.“

Franz Kafka

Fast zwei Monate hatte ich Zeit, mich auf diesen Trip zu freuen. In zweierlei Hinsicht war es nämlich eine Jungfernfahrt für mich. Erstens war es das erste Mal, dass ich ohne meine Eltern oder die Schule ins Ausland gefahren bin, zweitens war es das erste Mal, dass ich mit meinem Freund ein paar Tage weg war.

Die Tatsache, dass wir beide bereits in Prag waren, machte vieles einfacher. Wir wussten in etwa, zu welcher Bahnstation wir mussten, um in die Altstadt zu gelangen und gute, nicht zu teure Locations zum Essen kannten wir auch.

Bei mir war es knappe 2 1/2 Jahre her, dass ich dort war, bei Alex etwa fünf. Die Sache, die uns sofort ins Auge fiel und zumindest bei mir wurden sämtliche Alarmglocken ausgelöst alleine durch die Anwesenheit gefühlter Tausende von Segways, die überall in der Stadt rumfuhren. Aber die Segways an sich waren nicht das schlimme. Die Leute auf ihnen drauf, die keine Ahnung haben, wie man lenkt, bremst oder langsamer fährt, stellen eine ernsthafte Bedrohung dar, besonders zu den Stoßzeiten. Zu jeder vollen Stunde, weil dann die Astronomische Uhr ihr Glockenspiel spielt – ein Riesenspektakel um vielleicht 30 Sekunden Action, in der die zwölf Apostel am Fenster vorbeifahren durch ein mechanisches Irgendwas. Und mittendrin diese Segways. Furchtbar.

Die Rolltreppen sind nach wie vor ein Highlight – also die zur Metro nach unten. Die Gesteinsschichten liegen nämlich unter der Stadt irgendwie so, dass die U-Bahn-Tunnel ganz schön tief unten gebaut werden mussten. Die Rolltreppen sind entsprechend tief, steil und unheimlich schnell. Ich will gar nicht wissen, wie viele Touris sich jeden Tag irgendwas brechen, weil sie die Geschwindigkeit maßlos unterschätzen.

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Asiatische Reisegruppen sind natürlich auch überall vertreten. Vorzugsweise mit Selfiesticks oder Segways oder auch beidem zusammen und gleichzeitig (AAAAARGHHHH!). Sie sind die coolsten, wenn sie cruisen, wenn sie durch die City düsen. Ja. Genau.

Das Phänomen Selfiestick ist ja auch genauso wie Big Brother oder Dschungelcamp, alle finden’s scheiße, aber heimlich findet man es doch ganz amüsant und legt sich so eine Armverlängerung zu. Ich meine, praktisch sind die schon. Man kann größere Gruppen fotografieren und vielleicht auch noch ein bisschen Hintergrund bei seinem Twofie haben, wenn man möchte.

Prag ist eine krasse Touristenstadt. Wir haben vor allem Deutsche gesehen und gehört. Es waren wirklich unfassbar viele. Aber die allermeisten der Touristen, eine gefühlte Million, tummelt sich auf der Karlsbrücke. Tagsüber kann man kaum drüber gehen, so voll ist es, man wird fast über den Haufen gerannt.

Bier ist ziemlich billig, aber auch echt gut. Meistens gibt es Pilsner Urquell, ab und zu auch Bier von kleineren lokalen Brauereien.

Hier eine kurze Zusammenfassung, was man in Prag machen sollte:
– Prager Burg mit Goldenem Gässchen (die Nummer 21 ist Kafkas Geburtshaus)

– Jüdisches Museum (die Altneusynagoge kostet horrenden Extraeintritt, für die Herren lohnt sich das, für die Damen eher weniger)

– Kafka-Museum

– Karls-Brücke

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– Bier trinken

– Aufgepasst vor Touristenfallen, direkt am Platz mit der astronomischen Uhr ist Essen und Trinken viel zu teuer

– Knödel und Gulasch essen, generell ist die Böhmische Küche unheimlich geil und empfehlenswert

– Wenzelsplatz, Richtung Bahnstation Mustek laufen = Einkaufsstraße mit ganz coolen Stores

Man kommt übrigens echt gut mit dem Fernbus nach Prag, das ist nicht ganz so teuer und auch halbwegs bequem.

So, ich könnte an dieser Stelle noch viel mehr erzählen, aber ich möchte ja kein Tagebuch führen à la „Heute haben wir x gemacht, morgen wollen wir y machen. Und das war funny und das war langweilig.“ Nee, ich wollte euch nur einen kleinen Einblick in den Urlaub und die Stadt geben, um vielleicht euer Interesse zu wecken. Besonders für Studenten eignet sich die Stadt, da man auch echt gut und preiswert übernachten kann.

Mein nächste Post wird endlich mein schon lange geplanter Outfit-Post sein. Ihr könnt euch freuen, es wird frühlingshaft!

To be continued…

Joanna

PS: Fahrt nach Prag, wenn es etwas wärmer wird, so im April/Mai, oder wieder etwas kälter September/Oktober, sonst ist es entweder zu kalt (der Wind fegt ziemlich krass von der Moldau her und meine Sonnenbrille habe ich durch Ohrwärmer ersetzt :D) oder so warm, dass man eingeht.

 

Der Likud oder Wie ich zur Weltverbesserin wurde

DSC_0041Spannende Überschrift für so einen ersten Blogpost, nicht wahr? Fangen wir doch erstmal mit dem Wort an, das euch wahrscheinlich eher unbekannt vorkommt. Likud.

Likud ist hebräisch und bedeutet Zusammenschluss. Wenn ich aber hier vom Likud rede, spreche ich von dem konservativen Parteienbündnis in Israel, das derzeit den Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu stellt.

Als ich vor zweieinhalb Jahren das erste Mal in Israel war, war ich viel zu geflasht von allem, was ich gesehen habe, um mich kritisch mit diesem doch sehr kontrovers diskutierten Staat Israel zu beschäftigen.

Aber seit ich damals wieder zurückgekommen bin, beschäftige ich mich viel mehr mit dem Land und insgesamt auch der jüdischen Kultur (was sich ja auch dezent in meinem Studienfach niederschlägt). Recht schnell habe ich durch die Medien in Israel und Deutschland gemerkt, dass weder unsere Sichtweise auf den Staat Israel korrekt ist – Israel an sich ist zum Beispiel längst nicht so gefährlich, wie man es sich immer vorstellt – noch die Sichtweise der Israelis auf ihren eigenen Staat.

Meine Austauschschülerin war ein sehr kluges Mädchen, philosophisch und politisch interessiert, aber Kritik am Staat Israel hat selbst sie nicht zugelassen. Als wir im Ministry for Foreign Affairs waren, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass in diesem Staat Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit nicht gerade an höchster Stelle stehen. Kritische oder heikle Fragen wurden abgeblockt oder es wurde drumherum geredet.
Am schlimmsten fand ich allerdings, dass eine Hierarchie gebildet wurde. Den Israelis gehört demnach eigentlich das ganze Land, wobei Araber geduldet werden, doch in der Rangfolge stehen sie viel weiter unten.
Einer der Lehrer der Schule hat diese Hierarchie sogar mit dem Rassedenken der Nazis verglichen, welch eine Ironie.

Abgesehen von der politischen Lage ist Israel aber auch ein wunderschönes Land, voller Gegensätze. Im Nordwesten ans Mittelmeer grenzend liegt die malerische Stadt Jaffa, Tel Aviv kann man bereits vom Flugzeug aus sehr gut sehen. Auch Jerusalem ist voller schöner Ecken, angefangen bei der Klagemauer, über die Altstadt mit Souvenirshops bis zur größten Mall Israels mit allen bekannten europäischen Ketten, aber auch eher unbekannteren Läden. Schon während der rund 70 km, die Tel Aviv und Jerusalem auseinander liegen ändert sich die Vegetation und die Landschaft. Israel werde ich wohl auch nochmal einen eigenen Post widmen, hier geht es nach wie vor um die Politik.

Benjamin Netanjahu hat angekündigt, dass er den Siedlungsbau vorantreiben will, als Reaktion auf die Terroranschläge und Messerstechereien der letzten Monate.

Dieses Land oder diese Erfahrungen in dem Land haben mich dazu gebracht, kritischer an Konfliktsituationen heranzugehen, nicht von vornherein eine Seite als falsch zu erachten, diplomatisch zwischen zwei Konfliktparteien zu vermitteln. Mein absoluter Traum wäre es, wenn mit meiner Hilfe der Nahost-Konflikt beendet würde, doch diese Arbeit erledigt wahrscheinlich jemand anders für mich. Trotzdem haben mich die zwei Austauschprogramme mit Israel zu einer ziemlichen Weltverbesserin gemacht. Mein politisches Interesse wurde geschärft und mein Blick auf viele Dinge hat sich maßgeblich verändert.

Danke, Mr. President für diese Möglichkeiten.

To be continued…

Joanna